Die jährliche Vereinsfahrt führte den SCU im Jahr 2025 nach Heidelberg. Die geplanten Touren erstreckten sich über das flache, malerische Neckartal und die Berge im nahegelegenen Odenwald. So kamen alle Teilnehmenden auf ihre Kosten.
Und das will bei 24 Personen schon was heißen. Gleich doppelt so viele SCU Mitglieder (+Gastfahrerin) wie im Vorjahr hatten sich für den viertägigen Radurlaub in Heidelberg angemeldet. Sie alle sollten am Ende rundumzufrieden sein und wurden Anfang April mit 4 Tagen Sonne und sommerlichen Temperaturen belohnt, den Abreisetag mal ausgenommen. Im Odenwald fährt man Kurz/Kurz. Nach dem Kopfsteinpflaster der Flandernrundfahrt im vergangenen Jahr erkundeten wir nun also den Odenwald und hatten uns mit dem Königstuhl nicht nur den Hausberg Heidelbergs, sondern auch den höchsten Berg im kleinen Odenwald als eines der Tourhighlights ausgesucht.
Einrollen im Odenwald
Die Anreise stellte sich für einige schwieriger als gedacht dar, weil pünktlich zur Abfahrt das pure Chaos in Hennef herrschte. Auf der Bundesautobahn 560 bei Hennef war morgens ein Getränkelaster umgekippt, woraufhin die komplette Autobahnauffahrt gesperrt wurde. Eine Abreise aus Hennef war durch den umgeleiteten Verkehr mit massivem Rückstau also alles andere als einfach. Später staute es sich dann auch noch kurz vor Heidelberg, aber von da an kann man sagen, lief alles nach Plan. Nach einem schnellen, vorgezogenen Check-In im Hotel ging es gleich zum gemeinsamen Einrollen auf die Rennräder. Sich mit über 20 Personen auf dem Rennrad zur Mittagszeit durch den Ampel-Dschungel in Heidelberg zu schlagen, war definitiv ein Erlebnis. Nach den ersten 6 km flog dann aber endgültig die Kette nach rechts und die beeindruckende Gruppe an Rennradfahrenden pedalierte zügig gut 13 km entlang der Neckar in Richtung Odenwald.
Auf der Hälfte der Strecke kehrten wir im beschaulichen Heiligkreuzsteinach in einer Eisdiele ein und sorgten dort am Donnerstagnachmittag für einen unerwarteten Umsatzboom. Zwei andere Rennradfahrer kommentieren das Anrollen des SCU Zugs trocken und ehrlich mit „Ach du scheisse….“. Zugleich befand sich unsere Gruppe an der Eisdiele auch am Fuße des einzigen, längeren Anstiegs am heutigen Tage. Wir entschieden uns leistungsbedingt an dieser Stelle in fast gleichgroße Gruppen aufzuteilen. Die Auffahrt zum Röschberg (534 m) war von unserer Einkehr noch knapp 4 km lang, hielt aber im Anschluss auch eine landschaftlich schöne und schnelle, lange Abfahrt bereit. Eine ganze Reihe an weiteren Anstiegen blieben links liegen, ehe die Gruppen wieder zurück im Neckartal waren und Heidelberg einmal vom Westen kommend betrachten durften. Am Ende standen 65 km und 540 HM auf den Radcomputern.
Im Hotel hatte nun jeder erstmal die Gelegenheit in aller Ruhe sein Hotelzimmer zu beziehen, zu duschen und sich für das gemeinsame Abendessen frisch zu machen. Im Restaurant Urban Kitchen warteten internationale Gerichte, vorrangig Burger, auf die hungrigen Uckerather Bäuche. Schon beim Abendessen tauschte man sich aus, wer am morgigen Tag welche Tour fahren würde. Reiseleiter Christoph Tillmann hatte erneut eine Tour in den Odenwald vorgesehen, dieses Mal aber deutlich tiefer hinein und je nach Gusto mit Anstiegen satt. Es standen drei verschiedene Touren zur Auswahl und alternativ zwei komplett flache Joker-Touren nach Hoffenheim oder zum Hockenheimring. Entsprechend wurde am Donnerstagabend auch niemand alt und alle fanden zeitig den Weg ins Bett.

Sandstein-Odenwald wir kommen
Nach einem ausgiebigen und phänomenalen Frühstück in unserem Teamhotel „Hotel Heidelberg“ fühlten sich die Jungs und Mädels des SC Uckerath bereit für den vermeintlich herausforderndsten Tag der diesjährigen Vereinsfahrt. Bedingt durch die verschiedenen zur Auswahl stehenden Strecken bildeten sich homogene Gruppen. Für den Großteil der Touren konnten die Gruppen sich sogar auf ein Tempo einigen, das für alle in Ordnung war. Sowohl in der Ebene als auch in kilometerlangen Anstiegen. Sicherlich hatten einige hinten raus an den Bergen etwas mehr zu kämpfen und die Gruppen wurden nochmal etwas aufgeteilt, aber niemand musste allein fahren oder zu sehr Rücksicht nehmen, als dass es den Spaß geraubt hätte.
Folgende Strecken standen zur Auswahl:
- 108 km, 1.240 HM
- 127 km, 1.750 HM
- 163 km, 2.240 HM
Zum Teil überschnitten sich die Strecken, sodass man unterwegs auch die Möglichkeit hatte von der langen Runde auf eine kürzere zu wechseln und sich so den Heimweg doch etwas leichter zu machen. Jedoch motivierten sich die Gruppen untereinander so gut, dass alle Teilnehmenden durchziehen konnten.

Es ist unbeschreiblich, was der Odenwald für ein schönes Fleckchen Natur ist. Nicht nur die großartigen Wälder und Wiesen am Rande unserer Strecken, selbst der Fahrbahnbelag war picobello und bereitete besonders viel Spaß bei den langen, gut einsehbaren Abfahrten, die nicht selten 70 km/h und mehr garantierten. Die vielen knackigen Anstiege auf der Strecke schienen gar nicht enden zu wollen. Sicherlich leben wir im Rhein-Sieg-Kreis nicht unbedingt in einer Flachebene, doch solche langen Trainingsberge sind hier eher rar gesät. Die verdiente Mittagspause gab es im Biker-Treff Jill’s Wurstbruzzlerei in Wald-Michelbach. Unsere Gruppen gesellten sich kurzerhand in einigem Abstand zueinander dazu und sorgten für etwas Verwunderung bei den motorisierten Kollegen („Wart ihr nicht gerade schon mal da?“). Nach der kräftigen Stärkung und einer Verewigung im Gästebuch folgte dann das große Finale der Tour.
Zurück im Hotel wurden die Heimkehrer der langen Runde mit Beifall von den Teilnehmenden der kürzeren Runden, die es sich bereits im Biergarten gemütlich gemacht hatten, empfangen. Im Austausch wurde schnell klar: heute hatten alle einen Mords-Spaß und nicht wenige sind über sich hinausgewachsen und waren stolz auf das Erreichte. Beim Abendessen im Ristorante Da Mario stand italienisch auf der Speisekarte. Beinahe hätte es hier eine böse Überraschung gegeben, denn scheinbar hatte sich
die Reservierung für 24 Personen in Luft aufgelöst. Scusi. Das Restaurant war aber sehr geräumig und so fand „Da Mario“ doch noch einen Platz für den SCU. Pizza und Pasta hatten sich alle verdient. Im Anschluss trug es die Gruppe noch auf ein paar Kaltgetränke und nette Gespräche in die Hotellounge.
Kraichgau und Königstuhl
So mancher machte an Tag 3 von den flachen Joker-Touren Gebrauch oder setzte komplett aus. Die Tour des Tages führte hügelig über 130 km bis zum Fuße des Heidelberger Hausbergs Königstuhl (570 m). Dort hatte jeder die Wahl, ob er den Königstuhl bezwingen möchte oder nicht. Doch so wirklich stellte sich diese Frage nicht, denn dafür waren wir hier. Wieder in passende Leistungsgruppen aufgeteilt nahmen die SCU Gruppen Kurs auf den längsten Anstieg der Vereinsfahrt. Zuvor ging es vorbei am Hardtwaldstadion des Fußballvereins SV Sandhausen und dem SAP Firmengelände in Walldorf. Dann folgten aber auch schnell wieder die abgelegenen Radwege und wunderbare Landschaften.

Bei der ersten Rast an einem Penny konnte die gemütlichere Gruppe sogar zu der etwas flotteren Gruppe aufschließen. Jedoch war der Stop bei Gruppe 1 auch etwas ausgedehnter, da man sich bereits nach 71 km dazu entschieden hatte, im Anschluss an die 130 km und 1.670 HM noch spontan die Joker-Tour zum Hockenheimring (50 km, 90 HM) draufzupacken. Es machte einfach zu viel Spaß. Kurz vor dem Königstuhl wurde dann erneut Rast in einem Café eingelegt und dann ging es ans Eingemachte.
Den 7,44 km langen Anstieg mit durchschnittlich 5,4% und 406 HM absolvierte Fabian Görgens mit 22:46 Minuten am schnellsten und reihte sich damit in der Strava-Rangliste auf Platz 7 von über 1.000 Radfahrenden ein. Ganze 10 Sekunden vor Profi Max Walscheid, der exakt einen Monat vorher dort hochgefahren ist. Scheissegal ob der da locker hoch ist oder nicht, das Ding wird eingerahmt! 😉 Von oben hatten wir einen großartigen Ausblick und noch in der langen Abfahrt konnte man einen Blick aus nächster Nähe auf das Heidelberger Schloss riskieren. Im Anschluss führte die Strecke einmal durch Heidelberg und zurück zum Hotel.
Nicht für alle, denn Gruppe 1 hatte sich ja noch der Joker-Tour zum Hockenheimring verschrieben. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellen sollte. Durch diverse Trödeleien über den Tag verteilt hatten wir inzwischen etwas Zeitdruck wegen des Abendessens. Zudem ließen nun zunehmend bei einigen die Kräfte nach und dennoch wurde das Tempo verschärft, um vielleicht doch noch vor dem Essen zumindest duschen zu können. Nach kurzer Abstimmung wurden dann aber die anderen Gruppen kontaktiert und gebeten, den reservierten Tisch im Brauhaus doch schon mal einzunehmen und freizuhalten. So konnte die Extraschleife am Hockenheimring dann noch einigermaßen genossen werden, auch wenn inzwischen stärkerer, aufkommender Gegenwind den Heimweg nicht einfacher machte.
Im Vetter’s Alt Heidelberger Brauhaus wurde dann abends deftig gespeist und auch das ein oder andere Halbe verzehrt. Nach einiger Zeit trieb es dann den Großteil zurück ins Hotel, während eine kleine Delegation noch in einer St. Pauli Kneipe unweit des Brauhauses mit Astra und Kölsch (!) den Abend ausklingen ließ.
Weißer Stein statt RTF
Zwischenzeitlich hatte es für den Abreisetag den Plan gegeben, eine RTF in Rheinstetten zu besuchen und dort mit großer Mannschaftstärke anzutischen. Was vor dem Trainingslager noch für große Begeisterung sorgte, war nun nicht mehr die favorisierte Tagesplanung des Gros. Kurzerhand wurde umgeplant und noch ein Anstieg zu einer Heidelberger Ikone aus dem Ärmel gezaubert. In großer Gruppe zogen wir nochmal alle zusammen aus, um den Weißen Stein (550 m) zu erklimmen.
Auf 5,26 km Anstieg mit durchschnittlich 7,5% Steigung und insgesamt 375 HM ließ sich der Berg mit dem unter Denkmalschutz stehenden 23 m hohen Turm an seinem Gipfel überraschend angenehm fahren. Deutlich schwieriger machte es am Ende der zweite, kleinere Berg in der Abschiedsrunde. Der Ameisenbuckel verzeichnet zwischenzeitlich zwischen 17-20% Steigung und war zudem auch stark befahren. Keine Empfehlung an dieser Stelle. Nach 39 km und 710 HM wurde an die bewusst kurz gehaltene Abschiedsrunde dann auch ein Haken gemacht und alle konnten ihre Räder auf die Radträger verladen und den Heimweg antreten.
Fazit zur Vereinsfahrt nach Heidelberg
Noch nie hatte der SC Uckerath so ein überragendes Wetter über die gesamte Zeit der Vereinsfahrt. An drei Tagen konnte Kurz/Kurz gefahren werden und erst am letzten Tag gab es einen Temperatursturz, aber weiterhin komplett trocken und mit Sonne. Das Hotel hätte sicherlich von seiner Lage her etwas besser sein können, ließ ansonsten aber an nichts vermissen. Ausschlaggebend für die Wahl war ausreichend Platz und eine Möglichkeit die Räder sicher abzustellen. Heidelberg als solches ist eine schöne Stadt und hat mit dem Neckar, dem Kraichgau und dem angrenzenden Odenwald ein landschaftliches Paradies für Radsport zu bieten. Das Wichtigste zuletzt: die Leute! Unsere Uckerather Jungs und Mädels haben sich mal wieder von ihrer besten Seite gezeigt. Über die 4 Tage gab es keine Streitereien oder sonst irgendwelche Probleme untereinander. Das Fahren in den unterschiedlichen Gruppen war deutlich unkomplizierter, als es häufig im Training der Fall ist. Alle nahmen Rücksicht aufeinander, sodass jeder vollends auf seine Kosten gekommen ist.
Jede Vereinsfahrt hatte bisher ihren eigenen Charme, Anekdoten und Momente, an die man sich gerne zurückerinnert. Heidelberg wird für viele aber sicherlich ab sofort die Messlatte sein. Wir sind gespannt, was nächstes Jahr kommt. Warten wir’s ab.
Die Vereinsfahrt in Zahlen
4 Tage
447 km
5.250 HM
18 Stunden auf dem Rad
25 km/h im Schnitt
ca. Angaben, da von Person zu Person unterschiedlich




















